Kärnten

Die Sonnenseite der Alpen

Kärnten wird gerne „Österreichs sonniger Süden“ genannt – das südlichste Bundesland der Alpenrepublik, dessen größter Trumpf seine Seen sind: Mehr als 200 große und kleine Gewässer warten auf Sonnenanbeter und Wasserratten. Manche Seen werden im Sommer bis zu 28 Grad warm. Für frischen Wind sorgen da die herrlichen Bergstraßen, Pässe und Taldurchfahrten und natürlich der Ritt über die Königin der Alpenstraßen – der Großglockner-Hochalpenstraße.

Auch wenn er nicht die Bezeichnung „Pass“ bekommen hat, erweist sich der 1.074 Meter hohe Kreuzberg als geeigneter Ausgangspunkt für diese 185 Kilometer lange Tour im Grenzbereich zwischen Kärnten und Osttirol: Die Aussichten auf den malerischen Weißensee und den schroffen Reißkofel sind von erster Güte. Der Kreuzberg verbindet das Gailtal mit dem oberen Drautal und war deshalb schon immer ein wichtiger Alpenübergang.

Unten an der Gail angelangt, steuern wir zunächst die reizvoll am Presseger See gelegene Bezirkshauptstadt Hermagor an. Auch die profitierte von der verkehrsgünstigen Lage, erhielt 1288 das Marktrecht und entwickelte sich zur wichtigsten Gemeinde des Gailtales. Wir setzen uns in die Sonne, trinken zwischen den hübschen Bürgerhäusern Hermagors den ersten Kaffee des Tages und  genießen das milde Klima, das die Stadt und ihre Umgebung für Urlauber so anziehend macht. Danach rollen wir auf bundeseigenem Asphalt locker und entspannt das Gailtal entlang Richtung Westen.

Nächste Station Kötschach-Mauthen. 1958 zum Doppelort erhoben, erlebte die römische Gründung im Mittelalter durch den Abbau von Erz ihre erste Blüte. Schließlich war es die 1916 gebaute Gailtalbahn, die den wirtschaftlichen Erfolg festigte. Für historisch Interessierte ein Muss, für alle anderen eine Empfehlung ist das im Rathaus untergebrachte Museum 1915 – 1918. Auf 600 Quadratmetern dokumentiert es in  beeindruckender Weise die Ereignisse des Ersten Weltkrieges an der Front zwischen Ortler und Isonzo, wo sich Österreicher und Italiener gegenüberstanden. Die Aussage: Jeder Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.

Westlich von Kötschach-Mauthen dringt die Route ins Lesachtal ein. Schon um 600 von den Slawen besiedelt, windet es sich zwischen den Gailtaler Alpen im Norden und den Karnischen Alpen im Süden hindurch. Wir legen die Maschine in die lang gestreckten und sauber gezogenen Kurven der Bundesstraße und geben Seele plus Verstand die Muße,  das ringsum aufragende Hochgebirgspanorama zu bestaunen. Wahrzeichen des Lesachtales ist die Wallfahrtskirche Maria Schnee im Ortsteil Luggau. 1536 als Renaissancebau eingeweiht und mit einem charakteristischen mächtigen Turm versehen, wurde ihr Inneren der damaligen Mode entsprechende „barockisiert“ und stellt heute jede Hollywood-Kulisse in den Schatten.

Knapp hinter St. Oswald trifft die Route auf die Bundesstraße 100. Doch nur kurz, denn in Abfaltern zweigt sie nach links auf die Pustertaler Höhenstraße ab. Die kringelt sich am nördlichen Hang des Pustertales entlang und gehört zum Besten, was es in dieser Region an Motorradstrecken gibt: 20 Kilometer Kurve an Kurve, gepflegter Belag, traumhafte Aussichten. Schnell reißt uns diese Anti-Stress-Straße aus dem Alltag heraus und tupft Balsam auf die Seele.

Die Wirklichkeit holt uns in Lienz wieder ein, in der Hauptstadt Osttirols. Allerdings auf eine sehr angenehme Weise. Viel Kultur inmitten von noch mehr Natur – so lässt sich die 15.000-Einwohner-Stadt am Ufer der Drau am besten beschreiben. Für die Kultur sorgt eine sehr schön erhaltene Altstadt mit farbenfrohen Häusern, gemütlichen Kneipen und sonnigen Cafés. Für die Natur ist der Nationalpark Hohe Tauern zuständig, der praktisch vor der Lienzer Haustür beginnt.  Die Besonderheit von Lienz ist sein südländischer Flair. Vor allem der farbenprächtige Hauptplatz mit seinen italienisch anmutenden Fassaden spricht eine deutlich mediterrane Sprache. Wen wundert es – schließlich ist Südtirol keine 50 Kilometer weit weg.

Hinter Lienz bietet der Tag zwei Möglichkeiten an: Die direkte Rückfahrt auf der B 100 durch das Drautal oder den Abstecher zum Großglockner, für den man rund zwei Stunden einplanen sollte. Die Entscheidung ist Geschmacksache. Das Drautal ist etwas für den Genussfahrer, während sich der Großglockner klar an den Kurvensammler richtet.

DOWNLOADS

PDF GPX
Die hier angebotenen GPX-Dateien enthalten eine sehr ausführliche Aufzeichnung der Tour mit einer hohen Wegpunktdichte. Die Daten müssen mithilfe der Software Ihres Navigationsgerätes auf Ihr Gerät importiert werden. Die Datei lässt sich ebenfalls mit gängigen Karten-/Routensystemen bearbeiten und anzeigen.

BILDER

DATEN

Streckenlänge: 185 km
Fahrzeit: 3 Stunden
Schwierigkeitsgrad: mittel bis anspruchsvoll

KARTE

ADRESSEN

Kraners Alpenhof
Oberdorf 13
A-9762 Weißensee
www.kraners-alpenhof.at 

Bikertreff Gailberghöhe
Gailberg 3
A-9640 Kötschach-Mauthen
www.gailberg.at 

Sattleggers Alpenhof (mit BMW-Testride-Center)
Emberger Alm 2
A-9771 Berg im Drautal
www.alpsat.at 

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